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Graf-Soden wird Gemeinschaftsschule

Von Ralf Schäfer

FRIEDRICHSHAFEN Nach dem Antrag für die Schreienesch-Schule, Gemeinschaftsschule zum kommenden Schuljahr werden zu dürfen, wird die Stadt nun auch für die Graf-Soden-Realschule diesen Antrag stellen, besser gesagt aufrecht halten. Schon nach der Sitzung des Kultur-und Sozialausschusses war ein solcher Antrag zum Kultusministerium geschickt worden – vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderates. Und die liegt jetzt vor. Bei der Abstimmung sprachen sich CDU, FDP und ödp mit 13 Stimmen gegen diese Entscheidung aus, alle anderen Fraktionen, bestehend aus Freien Wählern, SPD, Grünen und Bürger Aktiv waren geschlossen für den Umbau der Realschule in eine Gemeinschaftsschule.

Die Argumente

Während die Verwaltung dem Rat vorgeschlagen hatte, „die weiteren schulentwicklungspolitischen Überlegungen“ durch externe Beratung begleiten zu lassen, wollten CDU, FDP und ödp das Wörtchen „weiteren“ in diesem Beschluss streichen und den Punkt zuerst abstimmen lassen. Das wäre dann der weitergehende Beschluss gewesen und die folgenden beiden Punkte wären unnötig geworden. Darin aber war enthalten, die Graf-Soden-Realschule zur Gemeinschaftsschule werden zu lassen und für die anderen Schulen keine Änderung vorzunehmen. Hätte der Rat beschlossen, generell die schulentwicklungspolitischen Überlegungen extern begleiten zu lassen, hätte das auch die Frage eingeschlossen, ob die Graf-Soden-Realschule Gemeinschaftsschule werden dürfe. Mit diesem Vorgehen scheiterten die Gemeinschaftsschulgegner im Rat. Eines der CDU-Argumente bezieht sich auf das Leistungsniveau der Gemeinschaftsschule. „Wenn statt Sitzenbleiben Klassenarbeiten und Abschlussprüfungen leichter (...) werden, was ist dann mit den Stärkeren“, fragt Achim Brotzer, Fraktionsvorsitzender der CDU. Die Union habe die Sorge, dass da mit Schullaufbahnen experimentiert werde. Gleichzeitig stellt sie die Frage, ob individuelle Förderung der richtige Weg und Lernbegleitung statt Frontalunterricht das richtige Werkzeug für Schule seien.

„Weil dieses Gremium nicht in der Lage ist, pädagogische Konzepte zu beurteilen“, hält die FDP an den Ergebnissen der Elternbefragung fest, die vier Züge für die Gemeinschaftsschule als anstrebenswert darstellen. Außerdem würden in Friedrichshafen Erfahrungen mit Gemeinschaftsschulen fehlen, so Gaby Lamparski. Sylvia Hiß-Petrowitz (ödp), die nur für sich und nicht für die Bürger-Aktiv-Mitglieder in ihrer Fraktionsgemeinschaft sprach, hätte lieber die Kombilösung aus Graf-Soden-Realschule und Pestalozzi-Schule gesehen.

Für die Freien Wähler führte Dagmar Hoehne die Argumente ins Feld, und die stützten sich im Wesentlichen auf die Aussage, dass das normale Schulsystem die Schwachen und die Starken, also die Extremen in der statistischen Leistungsverteilung, vergesse. Das könne Gemeinschaftsschule auffangen, und die Graf-Soden-Realschule sei da bestens für geeignet. Dieter Stauber (SPD) sieht in dieser Schule alle Voraussetzungen für eine Gemeinschaftsschule. „Alle Gremien wollen eine solche Schule dort“, und „die Eltern und damit die Schülerströme warten nicht darauf, dass der Gemeinderat irgendwann mal entscheidet“. Auch für die Grünen war die Sache klar. Kinder stünden im Mittelpunkt und die Graf-Soden-Realschule sei die Aussichtsreichste für die neue Schulform. „Das pädagogische Potenzial der Pestalozzi-Schule muss gesichert bleiben“, meinte er zur Entwicklung dieser Schule, die jetzt Werkrealschule bleibt. Schulleiterin Iris Engelmann nach der Sitzung: „Wir freuen uns sehr Aber scheinbar wissen nur einige Gemeinderäte, was Gemeinschaftsschule ist. Das ist eine leistungsorientierte Schule und keine Schmusenummer.“

erschienen in der Schwäbischen Zeitung vom 8.10.13