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Realschüler trainieren mit Zehnkämpfer Frank Busemann

Friedrichshafen -  Eine anstrengende Trainingseinheit zum Sportabzeichen erleben die Schüler der Graf-Soden-Realschule. Motivierte Jugendliche haben Spaß und lernen viel dazu.
Aus zwei Gründen freuten sich die Schüler, die gestern Vormittag ins VfB-Stadion einliefen, auf ihre Trainingseinheit zum Sportabzeichen. Grund eins: Als Trainer erwartete sie Frank Busemann, der Olympiazweite im Zehnkampf. Grund zwei: „Cool, dafür fällt Deutsch und NWA (naturwissenschaftliches Arbeiten) aus.“
Zwei Klassen der Graf-Soden-Realschule, eine sechste und eine siebte, waren beim Training dabei. „Diese Klassen sind unsere Sportklassen, sie haben sechs Stunden in der Woche Sport“, sagt Sportlehrer Florian Mack. Für die meisten der Elf- bis Dreizehn-jährigen war Frank Busemann bis vor Kurzem kein Begriff, schließlich waren sie zu seiner sportlich erfolgreichsten Zeit noch nicht auf der Welt. „Unser Sportlehrer Walter Knoblauch hat uns erzählt, dass er bei der Olympiade in Atlanta 1996 in der Königsdisziplin der Athleten die Silbermedaille geholt hat“, betonen die Schüler. Bei der Begrüßung fügt Knoblauch hinzu, dass Busemann im gleichen Jahr Sportler des Jahres wurde – für einen Leichtathleten etwas ganz Besonderes und sehr Seltenes. Die Schüler sind ein wenig ehrfurchtsvoll gespannt und dann erleichtert, als sie ein cooler Typ begrüßt und sie gleich lobt: „Ihr habt alle eure Sportsachen dabei. Das ist schon mal prima!“
 
Einer der Schüler will gleich von Busemann wissen „Sind Sie schnell?“. „Ich war mal schnell“, antwortet der. „Wer will nachher ein Wettrennen mit mir machen?“ Viele Hände gehen hoch. Vor dem Wettrennen steht das Training und vor dem Training das Aufwärmen an. Eine Menge Spaß kann man dabei trotzdem haben. Busemann holt bunte Leibchen aus einer Tüte. „Davon steckt sich jeder eines hinten in die Büx“. Jetzt gilt es, das bunte Teil dem anderen weg zu schnappen. Die ersten Schüler japsen schon. „Wie? Schon k.o.?“, flachst Busemann. Schlappmachen gilt nicht. Vorwärts, rückwärts, seitwärts, über Kreuz bewegen sich die Schüler mit ihrem Trainer über den Rasen oder trippeln rasend schnell auf der Stelle. Von Müdigkeit keine Spur mehr.
 
Der passende Moment, um mit dem eigentlichen Training zu beginnen. „Worauf kommt's an, wenn man an einem bestimmten Punkt abspringen will?“, fragt Busemann die aufmerksam lauschenden Schüler. Der Anlauf muss richtig eingeteilt werden, lernen sie. Auf einem markierten Stück der Bahn versuchen sie, genau sieben gleich große Schritte zu machen und den Absprung zu treffen. Laut mitzählen hilft. „Eins, zwei,. .., sechs, – Mist!“ ist zu hören, wenn's nicht ganz klappt. „Genau sieben! Ja!“ – zwei Mädchen klatschen sich ab. Der Anlauf passt, jetzt muss noch der Start aus den Startblöcken klappen. Wenn Busemann mit startet, macht's gleich doppelt Spaß. Hürdensprint war die Parade-Disziplin des Olympiazweiten. Er zeigt den Schülern, wie man eine Hürde in bestem Stil überwindet. „Hast du das gesehen?“, fragt ein Schüler bewundernd seinen Klassenkameraden. Ob sie es auch so können? Zumindest versuchen will es jeder.
Viele Schüler sind schon ein wenig kaputt, als es an die Sandgrube zum Weitsprung geht. Einzelne haben auch keine Lust, Sand in die Schuhe zu bekommen. Wer sich trotzdem zum Springen aufrafft, kann lernen, wie man die passende Länge für den Anlauf findet. „Ich hab keine Power mehr“, stöhnt ein Junge nach dem Sprung. „Aber du hast trotzdem den Balken am besten getroffen“, lobt der Trainer.
„Jetzt hab ich euch schön müde gemacht“, heißt es dann. „Jetzt machen wir das Wettrennen.“ Die Schüler geben noch einmal alles. Es reicht beinahe. „Das war voll cool, lustig und hat Spaß gemacht“, fasst Julia, 12 Jahre alt, das Training zusammen. Ihre Freundinnen sind ganz ihrer Meinung. „Tschüss, Herr Busemann“, verabschieden sie sich. Sie können ihn bald wiedersehen. Bei der Sportabzeichen-Abnahme am 14. Juni am See.
 
 Gisela Keller
Erschienen im Südkurier 05.06.13